Kissing Spines

Kissing Spines Pferd

December 27, 2024

Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung 

Kissing Spines - schon der Name klingt romantisch. Doch für die betroffenen Pferde ist diese Krankheit alles andere als romantisch. Es handelt sich um ein schmerzhaftes Rückenproblem, von dem vor allem Sportpferde betroffen sind. In diesem Ratgeber erkläre ich dir, was Kissing Spines sind, wie du die Symptome erkennst, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du dein Pferd am besten davor schützen kannst - mit besonderem Augenmerk auf Fütterung und Ergänzungsfuttermittel.  

Was sind Kissing Spines?  

Kissing Spines sind eine Erkrankung der Wirbelsäule, bei der die Dornfortsätze der Wirbel zu eng aneinander liegen oder sich sogar berühren (aneinander „kissen“). Diese anatomische Veränderung führt häufig zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.  

Die Dornfortsätze sind knöcherne Strukturen, die von den Wirbeln senkrecht nach oben abstehen. Normalerweise haben sie einen ausreichenden Abstand zueinander. Bei Pferden mit Kissing Spines reiben sie jedoch aneinander, was zu Entzündungen, Knochenveränderungen und starken Schmerzen führen kann. 

Ursachen von Kissing Spines - Warum entstehen sie?  

Die Entstehung von Kissing Spines beim Pferd ist meist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Einige Ursachen sind auf äußere Einflüsse zurückzuführen, andere sind genetisch oder anatomisch bedingt. Hier die häufigsten Ursachen im Detail:  

  1. Anatomische Gegebenheiten und genetische Veranlagung

Manche Pferde haben von Natur aus eine Rückenform, die das Risiko für Kissing Spines erhöht. Bei diesen Pferden liegen die Dornfortsätze enger beieinander, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich im Laufe des Lebens berühren oder aneinander reiben. Studien zeigen, dass die Erkrankung vererbt werden kann, weshalb die Auswahl des richtigen Pferdes - insbesondere beim Kauf - besonders wichtig ist. Hier sollte auf eine harmonische Rückenlinie und gesunde Elterntiere geachtet werden.  

  1. Fehlerhafte oder ungenügende Ausbildung

Eine unsachgemäße Ausbildung des Pferdes ist eine der häufigsten Ursachen für Kissing Spines. Dazu gehören:  

Zu frühes Anreiten: Wenn junge Pferde zu früh mit intensiver Arbeit belastet werden, ist ihre Rückenmuskulatur oft noch nicht ausreichend entwickelt, um Sattel und Reiter zu tragen. Die Folge ist eine Überlastung der Wirbelsäule.  

Einseitige oder monotone Arbeit: Fehlender Muskelaufbau durch mangelnde Gymnastizierung und einseitige Trainingspläne können den Rücken des Pferdes langfristig schädigen.  

  1. Falscher Sattel und falsche Ausrüstung

Ein schlecht sitzender oder unpassender Sattel ist eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen und kann Kissing Spines auslösen. Wenn der Sattel auf die Dornfortsätze Druck ausübt, führt dies nicht nur zu Schmerzen, sondern auch zu langfristigen strukturellen Schäden. Ein zu schwerer Reiter, eine falsche Zäumung oder ein unsachgemäßes Eindecken können diesen Effekt verstärken. 

  1. Mangelnde Bewegung und Muskelabbau

Die Rückenmuskulatur spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung der Wirbelsäule. Ohne ausreichend Bewegung und gezielte Muskelarbeit verliert der Rücken seine Stabilität, wodurch die Dornfortsätze vermehrt belastet werden. Besonders Pferde, die über längere Zeit in der Box stehen oder sich wenig bewegen, entwickeln ein höheres Risiko für Kissing Spines. 

  1. übermäßige Belastung und Stress

Pferde, die zu intensiv oder unsachgemäß trainiert werden, können ebenfalls an Kissing Spines erkranken. Häufiges Springen, zu viele schnelle Wendungen oder ständiger Druck beim Reiten können die Wirbelsäule überlasten. Auch dauerhafte Verspannungen im Rücken durch stressige Trainingsbedingungen oder eine falsche Haltung des Reiters können die Dornfortsätze belasten.  

  1. Fehlstellungen und Bewegungsstörungen

Pferde mit Fehlstellungen, z.B. der Hinterhandgelenke oder der Hufe, bewegen sich oft kompensatorisch, um Schmerzen zu vermeiden. Diese ungleichmäßigen Bewegungsmuster führen zu einer asymmetrischen Belastung der Wirbelsäule und erhöhen das Risiko von Kissing Spines.  

  1. Übergewicht und fehlende Balance

Übergewichtige Pferde tragen mehr Last auf ihrem Bewegungsapparat, was den Druck auf die Wirbelsäule erhöht. Aber auch Pferde, die nicht richtig ausbalanciert sind - sei es durch den Reiter oder durch ihre eigene Haltung - belasten den Rücken ungleichmäßig, was zu Problemen führen kann.  

Die Ursachen für Kissing Spines sind vielfältig und oft das Ergebnis mehrerer Faktoren. Eine artgerechte Haltung, ein gut geplantes Training, regelmäßige Bewegung und eine qualitativ hochwertige Ausrüstung spielen eine entscheidende Rolle, um diese schmerzhafte Erkrankung zu vermeiden. Sollten Sie bei Ihrem Pferd Anzeichen von Problemen feststellen, ist es wichtig, frühzeitig einen Tierarzt oder Therapeuten hinzuzuziehen, um eine genaue Diagnose zu stellen und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. 

Symptome von Kissing Spines  

Die Symptome können von Pferd zu Pferd unterschiedlich sein. Einige typische Anzeichen sind:

  • Unwillen beim Reiten: Das Pferd wehrt sich gegen Sattel oder Reiter, buckelt oder zeigt Unwillen beim Angaloppieren.  
  • Rückenschmerzen: Berührungen im Rückenbereich sind unangenehm oder schmerzhaft.  
  • Veränderungen im Gangbild: Das Pferd bewegt sich steif, wirkt ungleichmäßig oder hat Probleme beim Biegen.  
  • Muskelabbau: Die Rückenmuskulatur wird abgebaut, während andere Muskelgruppen überbeansprucht werden.  
  • Allgemeiner Leistungsabfall: Das Pferd wirkt müde, lustlos und zeigt weniger Freude an der Arbeit.  

Eine genaue Diagnose kann nur ein Tierarzt stellen, oft mit Hilfe von Röntgenbildern, die die Lage der Dornfortsätze zeigen.  

Behandlung von Kissing Spines

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Sie reicht von konservativen Maßnahmen bis hin zu chirurgischen Eingriffen.  

Konservative Behandlung

  • Physiotherapie und Muskelaufbau: Gezieltes Training zur Stärkung der Rückenmuskulatur ist unverzichtbar. Übungen wie Cavaletti-Arbeit, Dehnübungen und Longieren am Kappzaum stärken die Muskulatur.  
  • Medikamentöse Therapie: Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente lindern akute Beschwerden.  
  • Sattelkontrolle: Ein optimal angepasster Sattel ist das A und O. 
  • Bewegungstherapie: Regelmäßige, kontrollierte Bewegung im Schritt entlastet den Rücken und fördert die Heilung.  

Chirurgische Behandlung  

In schweren Fällen kann ein operativer Eingriff notwendig werden, bei dem die betroffenen Dornfortsätze korrigiert oder entfernt werden.  

Vorbeugung: Fütterung und Ergänzungsfuttermittel

Die richtige Fütterung spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Kissing Spines, da sie die Muskulatur und die allgemeine Gesundheit des Pferdes unterstützt. 

Grundfutter optimieren:

  • Heu: Hochwertiges Heu bildet die Grundlage jeder Pferdefütterung. Es liefert die notwendigen Ballaststoffe und Energie.  
  • Mineralfutter: Ein ausgewogenes Mineralfutter sorgt für eine gute Versorgung mit Nährstoffen wie Kalzium und Magnesium, die wichtig für Knochen und Gelenke sind.  

Ergänzungsfutter für den Muskelaufbau:

  • Aminosäuren: Bausteine wie Lysin und Methionin fördern die Bildung von Muskelgewebe.  
  • Vitamin E und Selen: Sie unterstützen die Muskelfunktion und wirken antioxidativ.  
  • Omega-3-Fettsäuren: Sie wirken entzündungshemmend und fördern die Regeneration. 
  • Kollagen und Hyaluronsäure: Sie unterstützen die Gesundheit von Gelenken und Bindegewebe.  

Bewegung und Training als Ergänzung zur Fütterung  

Ein gut durchdachter Trainingsplan hilft, die Rückenmuskulatur des Pferdes zu stärken. Langsame Belastungssteigerung und abwechslungsreiche Arbeit - vom Schritt über Dehnübungen bis hin zur Galopparbeit - tragen zur Vorbeugung bei.   

Was tun im Ernstfall?  

Wenn dein Pferd an Kissing Spines erkrankt ist, musst du schnell handeln. Lass dir vom Tierarzt eine genaue Diagnose geben und stimme die Therapie individuell ab.  

Einschläfern: Wann ist das notwendig?

In sehr seltenen und schweren Fällen, wenn alle Therapien erfolglos sind und das Pferd dauerhaft leidet, kann das Einschläfern die letzte Option sein. 

Fazit: Kissing Spines - verstehen und vorbeugen  

Kissing Spines sind eine ernstzunehmende Pferdekrankheit, die durch gezielte Maßnahmen und eine gute Pferdehaltung oft verhindert werden kann. Achte auf einen passenden Sattel, eine gesunde Fütterung und regelmäßiges Training. So hältst du den Rücken deines Pferdes gesund und beugst Schmerzen und Einschränkungen vor. 

Dein Pferd wird es dir mit Freude an der Arbeit und einem langen, schmerzfreien Leben danken!

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