Ursachen, Symptome und Behandlung
Shivering bei Pferden, auch bekannt als Zitterkrankheit, ist eine neurologische Erkrankung, die hauptsächlich die Hinterhand betrifft. Diese Erkrankung stellt viele Pferdebesitzer vor große Herausforderungen, da sie sowohl die Lebensqualität des Pferdes als auch seine Nutzung beeinträchtigen kann. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über Ursachen, Symptome, Diagnose, Behandlung und Vorbeugung von Shivering bei Pferden - mit einem besonderen Fokus auf die richtige Fütterung und Ergänzungsfuttermittel.
Was ist Shivering bei Pferden?
Shivering ist eine neurologische und muskuläre Erkrankung, bei der das Pferd unkontrollierte Zuckungen vor allem in der Hinterhand zeigt. Typische Situationen, in denen diese Zuckungen auftreten, sind das Rückwärtsrichten, das Anheben der Hufe oder Stresssituationen.
Die Krankheit ist selten, kann aber zu erheblichen Einschränkungen bis hin zur Unreitbarkeit des Pferdes führen. Häufig handelt es sich um ein fortschreitendes Syndrom, das sich mit der Zeit verschlimmert.
Ursachen von Shivering bei Pferden
Die genauen Ursachen von Shivering bei Pferden sind noch nicht vollständig verstanden, aber es gibt eine Reihe von Faktoren, die als Auslöser oder Verstärker in Frage kommen. Das Krankheitsbild ist komplex und entsteht häufig durch das Zusammenspiel verschiedener physiologischer, genetischer und umweltbedingter Einflüsse.
1. Neurologische Störungen
Shivering wird als neuromuskuläre Erkrankung klassifiziert, d.h. sowohl das Nervensystem als auch die Muskulatur sind betroffen. Man geht davon aus, dass das Zittern durch eine fehlerhafte Kommunikation zwischen Gehirn und Muskeln ausgelöst wird. Vor allem Hirnareale, die für die Koordination von Bewegungen zuständig sind, könnten betroffen sein.
Die genetische Komponente spielt eine wichtige Rolle. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Pferderassen wie Warmblüter, Kaltblüter und einige Sportpferde häufiger von Shivering betroffen sind. Dies deutet darauf hin, dass genetische Faktoren die Anfälligkeit für die Krankheit erhöhen können. Pferde mit einer familiären Vorgeschichte von Shivering haben ein höheres Risiko, selbst daran zu erkranken.
3. Muskelstoffwechselprobleme
Auch ein gestörter Muskelstoffwechsel könnte eine entscheidende Rolle spielen. Insbesondere ein Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Magnesium, Mangan oder Vitamin E wird als möglicher Auslöser diskutiert. Diese Nährstoffe sind für die normale Funktion der Muskulatur und des Nervensystems unerlässlich. Bei einem Ungleichgewicht kann es zu Muskelverspannungen und einer fehlerhaften Reizweiterleitung kommen, die die Symptome verstärken.
4. Stress und Überlastung
Stress, sei es durch physische oder psychische Belastung, kann Shivering-Symptome auslösen oder verstärken. Übermäßiges Training, häufige Transporte oder Turniersituationen erhöhen den Stresspegel und wirken sich negativ auf die Muskel- und Nervenfunktion aus. Auch Unsicherheiten in der Herdenstruktur oder schlechte Stallbedingungen können als Stressfaktoren wirken.
5. Haltungs- und Bewegungsmangel
Pferde, die nicht ausreichend bewegt werden oder in ungeeigneten Haltungsbedingungen leben, sind ebenfalls anfälliger für Shivering. Mangelnde Bewegung kann zu einer unzureichenden Durchblutung der Muskulatur führen, was die Funktion von Muskeln und Nerven beeinträchtigen kann. Auch ein ungünstiger Stallboden, der Gelenke und Muskeln belastet, kann zu Verspannungen und Funktionsstörungen beitragen.
6. Neuromuskuläre Veränderungen durch Alter oder Verletzungen
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Shivering, da altersbedingte Veränderungen im Muskel- und Nervensystem auftreten können. Auch Verletzungen, die die Hinterhand betreffen, wie Sehnen-, Gelenk- oder Nervenschäden, können als Auslöser wirken oder bestehende Symptome verschlimmern.
7. Rückwärtsrichten als Auslöser
Ein auffälliges Merkmal von Shivering-Pferden ist, dass die Symptome oft besonders stark beim Rückwärtsrichten auftreten. Dieses spezifische Bewegungsmuster erfordert eine komplexe Koordination von Nerven und Muskeln, die bei den betroffenen Pferden gestört ist. Warum gerade diese Bewegung die Zuckungen verstärkt, ist noch unklar, könnte aber als diagnostischer Hinweis dienen.
8. Zusammenhang mit anderen Erkrankungen
Manchmal tritt Shivering in Kombination mit anderen Erkrankungen auf, die die Muskulatur oder das Nervensystem betreffen, wie z.B. Kreuzverschlag oder Equine Motor Neuron Disease (EMND). Solche Begleiterkrankungen können die Symptome des Shivering verstärken oder die Diagnose erschweren.
Diese Faktoren machen deutlich, dass Shivering keine isolierte Erkrankung ist, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Ursachen. Deshalb ist es wichtig, das Pferd ganzheitlich zu betrachten, um alle möglichen Auslöser zu erkennen und gezielt zu behandeln.
Erkennen der Symptome von Shivering bei Pferden
Die Symptome von Shivering variieren je nach Schweregrad der Erkrankung. Die häufigsten Anzeichen sind:
- Muskelzittern in der Hinterhand, besonders beim Rückwärtsrichten oder Hufanheben
- Probleme beim Hufegeben und bei der Hufpflege
- unkontrollierte Bewegungen oder Zucken der Hinterbeine
- Schwierigkeiten beim Reiten, besonders in Wendungen
- Verspannungen der Muskulatur
- Fortschreitende Muskelschwäche oder -abbau
Im Frühstadium sind die Symptome oft subtil und schwer zu erkennen. Deshalb ist es wichtig, auf Veränderungen im Bewegungsverhalten des Pferdes zu achten.
Diagnose von Shivering bei Pferden
Die Diagnose wird von einem Tierarzt gestellt, der das Pferd gründlich untersucht. Dabei kommen folgende Methoden zum Einsatz
- Beobachtung der Bewegungsabläufe, insbesondere beim Rückwärtsrichten
- neurologische Untersuchungen zur Beurteilung der Nervenfunktion
- Muskelbiopsien oder Blutuntersuchungen zum Ausschluss von Stoffwechselstörungen
- Differentialdiagnosen, um andere Erkrankungen wie Spat oder Kreuzverschlag auszuschließen.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser können die Symptome kontrolliert werden.
Behandlung von Shivering bei Pferden
Eine vollständige Heilung von Shivering ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Hier einige Maßnahmen, die helfen können:
1. Optimierte Fütterung
- Hochwertige Mineralfutter mit Magnesium, Mangan und Vitamin E können die Muskulatur unterstützen.
- Stärke- und zuckerarmes Futter verringert das Risiko von Stoffwechselstörungen.
- Omega-3-Fettsäuren und spezielle Ergänzungsfuttermittel für den Muskelstoffwechsel können hilfreich sein.
2. Angepasstes Training
- Sanfte Übungen zur Kräftigung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit.
- Überlastungen und Stresssituationen vermeiden.
- Übungen wie kontrolliertes Rückwärtsrichten unter Anleitung können helfen, die Muskulatur gezielt aufzubauen.
3. Stress reduzieren
- Eine ruhige Umgebung und ein stabiles Sozialgefüge im Stall sind wichtig.
- Vermeiden Sie häufige Transport- oder Turniersituationen, die Stress auslösen können.
4. Medikamentöse Unterstützung
- In bestimmten Fällen können entzündungshemmende oder muskelentspannende Medikamente verabreicht werden.
Vorbeugung gegen Shivering bei Pferden
Um Shivering vorzubeugen, sollte auf eine ganzheitliche Betreuung des Pferdes geachtet werden:
- Ausgewogene Fütterung: Achte auf eine ausreichende Versorgung mit Magnesium, Mangan und anderen wichtigen Mineralstoffen. Vor allem bei Pferden mit erhöhtem Bedarf können Ergänzungsfuttermittel eine sinnvolle Unterstützung sein.
- Regelmäßige Bewegung: Achte auf ein ausgewogenes Trainingsprogramm, das Über- und Unterforderung vermeidet.
- Minimiere Stress: Vermeide abrupte Veränderungen im Alltag Deines Pferdes und sorge für eine entspannte Umgebung.
- Früherkennung: Lass Dein Pferd regelmäßig vom Tierarzt untersuchen, um erste Anzeichen rechtzeitig zu erkennen.
Shivering Pferd und die Lebensqualität
Auch wenn die Lebensqualität eines betroffenen Pferdes eingeschränkt sein kann, ist ein Leben mit der Krankheit möglich. Mit der richtigen Pflege, einer angepassten Haltung und gezielten Maßnahmen kann man seinem Pferd ein möglichst beschwerdefreies Leben ermöglichen.
Die Lebenserwartung eines Shivering-Pferdes hängt stark vom Management und vom Schweregrad der Erkrankung ab. Bei guter Pflege können viele betroffene Pferde ein hohes Alter erreichen und ihre Besitzer noch lange begleiten.
Fazit
Shivering ist eine komplexe Erkrankung, die eine gute Beobachtung und ein angepasstes Management erfordert. Mit einer ausgewogenen Fütterung, gezielten Übungen und einer stressarmen Umgebung kannst Du Deinem Pferd helfen, die Symptome zu lindern und seine Lebensqualität zu erhalten. Wenn Du Anzeichen von Shivering bemerkst, zögere nicht, einen Tierarzt zu konsultieren - je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Aussichten.
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