Magengeschwür Pferd

Magengeschwür Pferd

January 24, 2025

Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung 

Magengeschwüre sind eine häufige, aber oft unterschätzte Erkrankung bei Pferden. Sie können das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit deines Pferdes erheblich beeinträchtigen. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Magengeschwüre beim Pferd: Ursachen, Symptome, Behandlung und wie du durch die richtige Fütterung und Haltung vorbeugen kannst.  

Was ist ein Magengeschwür beim Pferd?  

Der Magen des Pferdes ist in zwei Bereiche unterteilt: den drüsenlosen und den drüsenhaltigen Bereich. Während der drüsenhaltige Teil durch die Magenschleimhaut geschützt ist, ist der drüsenlose Teil anfälliger für Schäden durch die Magensäure. Ein Magengeschwür entsteht, wenn die Magensäure die Schleimhaut angreift und diese entzündet oder sogar Geschwüre bildet. 

Ursachen für Magengeschwüre beim Pferd - warum sie entstehen

Die Ursachen für Magengeschwüre beim Pferd sind oft eine Kombination mehrerer Faktoren, die mit der besonderen Anatomie und dem Verdauungssystem des Pferdes zusammenhängen. Der Pferdemagen ist darauf ausgelegt, über den Tag verteilt kleine Nahrungsmengen aufzunehmen. Wird dieser natürliche Rhythmus gestört, kann die Magensäure die empfindliche Magenschleimhaut angreifen. Im Folgenden werden die häufigsten Ursachen näher betrachtet:  

1. lange Fresspausen  

Pferde produzieren ständig Magensäure - auch wenn sie nichts fressen. Von Natur aus sind Pferde als Dauerfresser konzipiert und nehmen fast ununterbrochen kleine Mengen Raufutter wie Gras auf. Bei längeren Fresspausen, z.B. durch unregelmäßige Fütterung oder fehlenden Zugang zu Heu, bleibt die Magensäure ohne neutralisierenden Speichel im Magen. Besonders anfällig ist der drüsenlose Teil des Magens, da er keinen Schutz durch Schleimstoffe hat.  

2. Fütterung mit zu viel Kraftfutter  

Kraftfutter wie Getreide oder Pellets wird im Magen schneller verdaut als Raufutter und führt zu einem raschen Abfall des pH-Wertes. Dadurch wird die Magensäure aggressiver, was die Schleimhaut schädigen kann. Außerdem regt Kraftfutter die Speichelbildung weniger an als Raufutter, wodurch die natürliche Pufferwirkung vermindert wird. Besonders kritisch ist die Kombination von viel Kraftfutter und wenig Heu. 

3. Stress als Risikofaktor  

Stress spielt eine erhebliche Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren. Pferde reagieren empfindlich auf Veränderungen und Belastungen. Häufige Stressfaktoren sind:

  • Haltungsbedingungen: Enge Boxenhaltung, fehlender Sozialkontakt oder instabile Herdenstruktur.  
  • Turniere und Transporte: Lange Fahrten, fremde Umgebungen und Wettkampfstress erhöhen den Stresspegel erheblich.  
  • Training: Zu intensives Training oder Training auf leeren Magen belastet den Magen zusätzlich.  

Stress beeinflusst den Hormonhaushalt und kann dazu führen, dass der Magen vermehrt Magensäure produziert und schlechter durchblutet wird. Die Regenerationsfähigkeit der Magenschleimhaut wird dadurch eingeschränkt.  

4. Bewegungsmangel  

Pferde brauchen Bewegung, um ihre Verdauung anzuregen. Bei Pferden, die überwiegend in der Box stehen, verlangsamt sich die Verdauung und die Magensäure hat länger Kontakt mit der empfindlichen Magenschleimhaut. Ein artgerechter Tagesablauf mit ausreichend Bewegung - idealerweise auf der Weide oder im Paddock - ist wichtig, um die natürliche Magenfunktion zu unterstützen.  

5. Training auf leeren Magen  

Hat ein Pferd vor dem Training nichts gefressen, schwappt die Magensäure im Magen hin und her und gelangt so an Stellen, die nicht ausreichend geschützt sind. Besonders der drüsenlose Teil des Magens wird stark belastet. Ein kleiner Happen Heu vor dem Training kann helfen, die Magensäure zu binden und den Magen zu schützen.  

6. Medikamente  

Die Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere entzündungshemmender Mittel (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika - NSAIDs), kann die Magenschleimhaut angreifen. Diese Medikamente hemmen die Bildung von Schleimstoffen, die die Schleimhaut schützen, was die Entstehung von Magengeschwüren begünstigt. Pferde, die über einen längeren Zeitraum Medikamente einnehmen müssen, sollten daher sorgfältig überwacht werden. 

7. Unzureichende Wasseraufnahme  

Wasser spielt bei der Verdauung eine entscheidende Rolle. Trinkt ein Pferd zu wenig, wird nicht nur die Speichelproduktion reduziert, sondern auch die gesamte Magen-Darm-Funktion beeinträchtigt. Besonders bei Hitze oder nach dem Training ist auf eine ausreichende Wasseraufnahme zu achten.  

8. Vorerkrankungen und allgemeiner Gesundheitszustand  

Ein geschwächtes Immunsystem oder Vorerkrankungen wie Koliken oder andere Magen-Darm-Probleme können die Magenschleimhaut anfälliger machen. Magengeschwüre können auch bei Fohlen auftreten, meist als Folge von Stress oder Erkrankungen wie Durchfall.  

Die Hauptursachen für Magengeschwüre bei Pferden lassen sich oft auf eine nicht artgerechte Haltung, Fütterung oder Stress zurückführen. Deshalb ist es wichtig, das natürliche Fressverhalten und die Bedürfnisse des Pferdes so weit wie möglich zu berücksichtigen. Durch Stressreduktion, Vermeidung von Fresspausen und eine raufutterreiche Ernährung kannst du das Risiko für Magengeschwüre deutlich senken. 

Symptome eines Magengeschwürs beim Pferd  

Die Symptome eines Magengeschwürs beim Pferd können sehr unterschiedlich und zum Teil unspezifisch sein. Häufige Anzeichen sind:  

  • Appetitlosigkeit, besonders bei Kraftfutter  
  • Abmagerung oder fehlende Gewichtszunahme  
  • Mattes Fell und verminderte Leistungsbereitschaft  
  • Gähnen oder Flehmen, besonders nach dem Fressen  
  • kolikartige Symptome wie Unruhe, Scharren oder Wälzen  
  • Empfindlichkeit im Bauchbereich, insbesondere bei Druck auf den Magen  
  • Vermehrtes Zähneknirschen oder Kauen ohne Futteraufnahme.  

Wenn dein Pferd mehrere dieser Symptome zeigt, solltest du einen Tierarzt hinzuziehen. Zur sicheren Diagnose eines Magengeschwürs wird eine Magenspiegelung (Gastroskopie) durchgeführt.  

Behandlung von Magengeschwüren bei Pferden  

Die Behandlung eines Magengeschwürs erfolgt in der Regel in mehreren Schritten:  

  • Medikamente: Häufig wird Omeprazol verschrieben, ein Medikament, das die Magensäureproduktion reduziert und der Schleimhaut Zeit zur Heilung gibt.  
  • Fütterung: Um den Magen zu entlasten, sollte das Pferd kontinuierlich Zugang zu hochwertigem Raufutter (z.B. Heu) haben. Leinsamen oder spezielle Ergänzungsfuttermittel können die Magenschleimhaut schützen.  
  • Stressreduktion: Stressfaktoren reduzieren, z. B. durch Überdenken der Herdenzusammensetzung oder Minimierung von Stresssituationen wie Transporten.  
  • Therapieunterstützung: Hausmittel wie Kamillentee können die Entzündung lindern, ersetzen aber keine tierärztliche Behandlung.  

Wichtig: Ein unbehandeltes Magengeschwür kann sich verschlimmern und in seltenen Fällen tödlich enden, insbesondere wenn es zu Blutungen oder einer Perforation kommt. 

Fütterung bei Magengeschwüren  

Die richtige Fütterung ist entscheidend für die Behandlung und Vorbeugung von Magengeschwüren. Hier einige Tipps:  

  • Raufutter statt Kraftfutter: Das Pferd sollte rund um die Uhr Zugang zu hochwertigem Heu haben. Raufutter regt die Speichelbildung an und schützt die Magenschleimhaut. 
  • Leinsamen: Leinsamen, vor allem gekocht oder gequetscht, legen sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhaut und unterstützen deren Heilung.  
  • Möhren: Möhren sind magenfreundlich und liefern gleichzeitig wertvolle Nährstoffe.  
  • Fütterungshäufigkeit: Mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag, um Fresspausen zu vermeiden.
  • Ergänzungsfuttermittel: Es gibt spezielle Ergänzungsfuttermittel, die die Schleimhaut schützen und die Regeneration fördern. Sprich mit deinem Tierarzt über geeignete Produkte.  

Magengeschwüren beim Pferd vorbeugen  

Damit es gar nicht erst zu einem Magengeschwür kommt, kannst du einiges tun:  

  • Artgerechte Haltung: Dein Pferd sollte genügend Bewegung und Zugang zu Weide oder Paddock haben.  
  • Richtige Fütterung: Vermeide lange Fresspausen und setze auf eine raufutterreiche Ernährung.  
  • Vermeide Stress: Achte auf eine stabile Herdenstruktur und reduziere Stress in Alltagssituationen.  
  • Passe das Training an: Vermeide das Training auf leeren Magen. Gib deinem Pferd vor dem Training eine kleine Portion Heu.  
  • Regelmäßige Kontrolle: Lass dein Pferd regelmäßig vom Tierarzt untersuchen. Ein Blutbild kann Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitszustand geben. 

Fazit: Vorsorge ist besser als Nachsorge  

Ein Magengeschwür beim Pferd ist eine ernstzunehmende Erkrankung, der man durch richtige Haltung, Fütterung und einen stressfreien Alltag weitgehend vorbeugen kann. Achte auf erste Anzeichen und konsultiere bei Verdacht einen Tierarzt, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Mit einer durchdachten Fütterung, regelmäßiger Bewegung und einem entspannten Umfeld kannst du deinem Pferd ein gesundes Leben ohne Magenprobleme ermöglichen.  

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