PSSM Pferd

PSSM Pferd

December 18, 2024

Ursachen, Symptome und Behandlung  

PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) ist eine Stoffwechselerkrankung, die vor allem die Muskulatur von Pferden betrifft. Sie ist genetisch bedingt und äußert sich durch verschiedene Symptome, die das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Pferdes stark beeinträchtigen können. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles über Ursachen, Diagnose, Symptome und die richtige Behandlung - mit besonderem Augenmerk auf Fütterung und Ergänzungsfuttermittel. 

Was ist PSSM beim Pferd?  

PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) ist eine genetisch bedingte Muskelerkrankung bei Pferden, die den Energiestoffwechsel der Muskulatur stark beeinträchtigt. Die Erkrankung führt dazu, dass sich überschüssiger Zucker in Form von Polysacchariden (einer komplexen Form von Kohlenhydraten) in den Muskelzellen ablagert. Normalerweise wird Zucker in Form von Glykogen in den Muskeln gespeichert und bei Bedarf in Energie umgewandelt. Bei PSSM funktioniert dieser Prozess nicht richtig: Statt die gespeicherten Kohlenhydrate effizient zu nutzen, lagern sich abnorme Mengen davon ab, was die Muskeln belastet und zu Funktionsstörungen führt.  

PSSM ist keine einheitliche Erkrankung, sondern wird in zwei Haupttypen unterteilt, die sich in Ursache und Diagnose unterscheiden: 

PSSM 1:  

PSSM 1 wird durch eine Mutation im Glykogen-Synthase-Gen (GYS1) verursacht. Diese Mutation führt zu einer unkontrollierten Einlagerung von Polysacchariden in die Muskulatur, wodurch die Energieversorgung der Muskeln gestört wird. Da es sich um eine genetische Veränderung handelt, ist diese Form der Erkrankung durch einen Gentest eindeutig nachweisbar. PSSM 1 tritt besonders häufig bei Kaltblütern, Quarter Horses und verwandten Rassen auf.  

PSSM 2:  

PSSM 2 ist komplexer und wird nicht durch die GYS1-Mutation ausgelöst. Stattdessen liegt hier eine Gruppe genetischer und möglicherweise umweltbedingter Faktoren vor, die zu ähnlichen Symptomen führen. Die genaue Ursache von PSSM 2 ist noch nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch vermutet, dass strukturelle Anomalien in den Muskelproteinen eine Rolle spielen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Muskelbiopsie, da ein Gentest für PSSM 2 derzeit nicht verfügbar ist.  

Obwohl die beiden Typen unterschiedliche Ursachen haben, sind die Symptome oft sehr ähnlich. In der Praxis wird der Begriff PSSM daher häufig für beide Formen verwendet, was gelegentlich zu Verwechslungen führen kann. 

Wer ist betroffen?  

PSSM tritt überwiegend bei bestimmten Pferderassen auf, von denen einige genetisch eine stärkere Veranlagung aufweisen. Häufig betroffene Rassen sind: 

  • Kaltblüter wie Noriker oder Belgier, die besonders anfällig für PSSM 1 sind.  
  • Westernpferde, insbesondere Quarter Horses, Paint Horses und Appaloosas.  
  • Warmblüter wie Hannoveraner oder Oldenburger.  
  • Selten auch Vollblüter und Ponys.  

Die Krankheit kann sowohl bei Freizeit- als auch bei Sportpferden auftreten. Die genetische Veranlagung bedeutet, dass betroffene Pferde die Erkrankung an ihre Nachkommen weitergeben können, weshalb ein Gentest bei Zuchttieren besonders wichtig ist.  

Warum ist PSSM problematisch?  

Das Hauptproblem bei PSSM liegt in der fehlerhaften Energiebereitstellung in der Muskulatur. Betroffene Pferde können die gespeicherte Energie nicht effektiv nutzen, was zu Muskelschwäche, Verspannungen und langfristigen Schäden führt. Ohne angepasste Fütterung und gezieltes Management kann die Erkrankung die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit des Pferdes stark beeinträchtigen. In schweren Fällen kann es zu irreversiblen Muskelschäden und einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit kommen.  

Zusammenfassung der Ursachen von PSSM  

Die Hauptursache für PSSM ist genetisch bedingt. Besonders betroffen sind Kaltblüter, Quarter Horses, Warmblüter und einige andere Rassen (siehe oben). Faktoren wie falsche Fütterung, Bewegungsmangel oder Stress können die Krankheit verschlimmern und Schübe auslösen. Ein weiterer Auslöser ist die Überversorgung mit Zucker und Stärke im Futter. 

Symptome von PSSM bei Pferden  

Die Symptome von PSSM können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig zeigt ein betroffenes Pferd die folgenden Symptome:  

  • Muskelverspannungen, vor allem in der Hinterhand  
  • Bewegungsunlust und Steifheit  
  • Zittern oder Muskelzittern  
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen nach dem Liegen  
  • Schweißausbrüche ohne erkennbare Belastung  
  • Leistungsabfall beim Reiten  
  • In schweren Fällen Lahmheit und Muskelabbau  

Manche Pferde zeigen die Symptome dauerhaft, andere nur schubweise, abhängig von Faktoren wie Fütterung, Bewegung und Stress.  

Diagnose von PSSM  

Die Diagnose von PSSM erfolgt in der Regel in folgenden Schritten:  

  • Gentest: Für PSSM 1 ist ein Gentest zuverlässig und einfach durchzuführen.  
  • Muskelbiopsie: Insbesondere bei Verdacht auf PSSM 2 wird eine Muskelbiopsie durchgeführt, um die Polysaccharide in der Muskulatur nachzuweisen.  
  • Blutbild: Ein Blutbild kann zusätzliche Informationen über die Muskelgesundheit und den Stoffwechsel des Pferdes liefern. 

Behandlung von PSSM: Fütterung im Fokus  

Die richtige Fütterung ist das A und O bei PSSM. Ziel ist es, den Zucker- und Stärkegehalt im Futter stark zu reduzieren und die Muskulatur gezielt zu unterstützen. 

Grundlagen der Fütterung bei PSSM:  

  • Heu: Hochwertiges, zuckerarmes Heu sollte die Basis der Fütterung bilden. Es liefert wichtige Ballaststoffe und hält den Stoffwechsel stabil.  
  • Kraftfutter: Vermeide Kraftfutter mit hohem Getreide- oder Stärkeanteil. Setze stattdessen auf stärkearme Alternativen wie Reiskleie oder Luzerne.  
  • Mineralfutter: Ergänze die Ration mit einem speziellen Mineralfutter, das auf die Bedürfnisse von PSSM-Pferden abgestimmt ist. Magnesium, Selen und Vitamin E sind besonders wichtig, da sie die Muskulatur stärken.  

Aminosäuren und Ergänzungsfuttermittel  

  • Aminosäuren wie Lysin und Methionin unterstützen den Muskelstoffwechsel und die Regeneration.  
  • Produkte mit Vitamin E, Selen und Antioxidantien können Muskelentzündungen lindern.  
  • Ölreiche Futtermittel: Öle wie Leinöl oder Reiskeimöl sind gute Energielieferanten und entlasten den Kohlenhydratstoffwechsel.  
  • Weidegang: Reduzieren Sie den Zugang zu stark zuckerhaltigem Weidegras, insbesondere im Frühjahr und Herbst. Paddockhaltung oder eingeschränkter Weidegang sind oft sinnvoll.  

Homöopathie und unterstützende Maßnahmen  

Homöopathische Mittel können helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Durchblutung zu fördern. Beliebte Mittel sind: 

  • Rhus toxicodendron: Bei Steifheit und Bewegungsschmerzen.  
  • Arnica: hilft bei Muskelkater und Verletzungen.  

Es ist am besten, den Einsatz von Homöopathie mit einem erfahrenen Tierheilpraktiker oder einer Tierheilpraktikerin zu besprechen.  

Bewegung und Training bei PSSM: So bleibt dein Pferd beweglich und leistungsfähig  

Regelmäßige, gut angepasste Bewegung ist für ein Pferd mit PSSM unverzichtbar. Das richtige Training hilft nicht nur, die Muskulatur zu stärken, sondern verringert auch das Risiko von Krankheitsschüben. Da PSSM die Muskelfunktion und die Energieverwertung beeinträchtigt, muss das Training individuell an die Bedürfnisse des Pferdes angepasst werden. Hier erfährst du, wie du deinem Pferd mit gezielter Bewegung helfen kannst, gesund und fit zu bleiben.  

Warum ist Bewegung so wichtig?  

Bewegung regt den Stoffwechsel an und unterstützt die Muskulatur dabei, überschüssige Polysaccharide und Glykogen effizienter zu verarbeiten. Ein gut geplantes Training kann: 

  • Muskelverspannungen lösen und die Flexibilität verbessern.  
  • den Abbau überschüssiger Zuckerreserven in der Muskulatur fördern.  
  • die Hinterhand kräftigen und das Gangbild verbessern.  
  • das Risiko von Muskelentzündungen und Schmerzen verringern.  

Regelmäßige Bewegung ist auch wichtig, um Übergewicht zu vermeiden, das die Symptome von PSSM verschlimmern kann.  

Wie sollte das Training gestaltet werden?  

 PSSM-Pferde profitieren von einem moderaten, regelmäßigen Training ohne lange Pausen. Intensive oder sporadische Belastungen können dagegen kontraproduktiv sein. Hier sind einige wichtige Punkte für das Training deines PSSM-Pferdes:  

1. Regelmäßigkeit ist das A und O  

PSSM-Pferde sollten täglich bewegt werden, auch wenn es sich nur um leichte Arbeit handelt. Längere Trainingspausen können zu steifen Muskeln und verstärkten Symptomen führen. Auch an Ruhetagen ist ein Spaziergang oder eine Einheit an der Longe sinnvoll. 

2. Aufwärmen und Abkühlen  

Ein gründliches Aufwärmen ist bei PSSM-Pferden besonders wichtig, um die Muskulatur geschmeidig zu machen und Verletzungen vorzubeugen. Beginne das Training mit mindestens 10-15 Minuten Schritt in ruhigem Tempo. Auch nach der Arbeit sollte dem Pferd genügend Zeit gegeben werden, um sich abzukühlen und die Herzfrequenz zu senken.  

3. Schwerpunkt: Lockeres Arbeiten in der Ebene  

Die Arbeit in der Ebene ist ideal, um die Hinterhand zu stärken und den gesamten Bewegungsapparat zu mobilisieren. Übungen wie Übergänge, Seitengänge und gezieltes Longieren fördern die Geschmeidigkeit und den Muskelaufbau.  

Vermeiden Sie steile Anstiege oder unebene Böden, da diese die Muskulatur übermäßig belasten können.  

4. Intensität langsam steigern

PSSM-Pferde sollten langsam an ein intensiveres Training gewöhnt werden. Beginne mit kurzen Einheiten von 15-20 Minuten und steigere allmählich Dauer und Intensität, je nach Kondition und Reaktion des Pferdes. Beobachte dein Pferd genau, um eine Überforderung zu vermeiden.  

5. Vermeide plötzliche Belastungsspitzen  

Plötzliche und intensive Belastungen, wie z.B. Springtraining oder längeres Galoppieren, sollten vermieden werden. Sie können zu Muskelkrämpfen oder sogar zu einem akuten Schub führen. Stattdessen ist ein moderates, kontinuierliches Training zielführender.  

6. Abwechslungsreiches Training  

Um Langeweile und einseitige Belastungen zu vermeiden, ist Abwechslung im Trainingsplan wichtig. Beispiele hierfür sind  

  • Longieren mit und ohne Cavaletti.  
  • Bodenarbeit zur Verbesserung der Koordination.  
  • Ausritte in gemäßigtem Tempo (dabei auf den Untergrund achten und stark zuckerhaltiges Weidegras meiden). 

Hilfsmittel und unterstützende Maßnahmen  

Es gibt einige Hilfsmittel und Techniken, die das Training eines PSSM-Pferdes erleichtern können:  

  • Massagen und physiotherapeutische Übungen: Unterstützen die Muskelregeneration und fördern die Durchblutung.  
  • Wärmedecken oder Gamaschen: Halten die Muskulatur vor und nach dem Training geschmeidig.  
  • Trainingshilfen wie Doppellonge oder Pylonen: Fördern Konzentration und Muskelgleichgewicht.  

Was ist nach dem Training zu beachten?  

Nach dem Training ist es wichtig, dass sich das Pferd ausreichend erholen kann. Achte darauf, dass Dein Pferd gut abtrocknen kann und vermeide Zugluft, um Muskelverspannungen zu vermeiden. Auch eine ausreichende Versorgung mit Wasser und Elektrolyten ist wichtig, vor allem bei wärmeren Temperaturen.  

Bewegung im Alltag  

Neben dem eigentlichen Training spielt auch die allgemeine Bewegung im Alltag eine wichtige Rolle. PSSM-Pferde sollten so viel wie möglich in Bewegung sein, am besten durch:  

  • Paddock- oder Offenstallhaltung: Diese Haltungsform fördert die natürliche Bewegung und sorgt für Entspannung.  
  • Weidegang in Maßen: Kontrollierter Weidegang ist möglich, wenn das Gras zuckerarm ist. Ideal sind die Morgenstunden oder spezielle Graskontrollflächen.  

Anzeichen von Überlastung erkennen  

Auch bei einem gut abgestimmten Trainingsplan können Anzeichen von Überforderung auftreten. Dazu gehören:  

  • Steifheit oder Lustlosigkeit nach dem Training.  
  • Muskelzittern oder leichtes Schwitzen ohne Anstrengung.  
  • Veränderungen im Gangbild.  

Wenn du solche Symptome bemerkst, reduziere die Belastung und sprich mit deinem Tierarzt oder einem Experten für Pferdephysiotherapie.  

Lebenserwartung eines Pferdes mit PSSM  

Die Lebenserwartung eines Pferdes mit PSSM hängt stark davon ab, wie gut die Krankheit behandelt wird. Mit der richtigen Haltung, Fütterung und Bewegung können viele betroffene Pferde ein normales und beschwerdefreies Leben führen. Ohne entsprechende Anpassungen kann die Lebensqualität jedoch stark eingeschränkt sein, was im schlimmsten Fall zur Einschläferung führen kann.  

Fazit: Ein Leben mit PSSM meistern  

PSSM ist nicht heilbar, aber durch eine angepasste Fütterung, regelmäßige Bewegung und unterstützende Maßnahmen kann man seinem Pferd ein weitgehend normales Leben ermöglichen. Die richtige Kombination aus zuckerarmer Fütterung, hochwertigem Ergänzungsfutter und täglicher Bewegung ist entscheidend. Achte auf die Symptome und passe das Management an die Bedürfnisse Deines Pferdes an. So kann Dein PSSM-Pferd trotz seiner Erkrankung ein glückliches und gesundes Leben führen. 

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