Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung
Ein Sehnenschaden beim Pferd kann für dich als Pferdebesitzer eine echte Herausforderung sein. Die Heilung ist oft langwierig und in manchen Fällen ist eine vollständige Regeneration der Sehne nicht möglich. Doch mit der richtigen Behandlung, Geduld und gezielter Fütterung kannst du die Heilungschancen deines Pferdes deutlich verbessern. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnostik, Therapie und vor allem, wie du mit der richtigen Fütterung die Sehnenheilung optimal unterstützen kannst.
Ursachen für Sehnenschäden beim Pferd
Sehnenverletzungen entstehen meist durch Überlastung, Fehlbelastung oder äußere Einwirkungen. Besonders gefährdet sind die Beugesehnen, also die tiefe und die oberflächliche Beugesehne sowie der Fesselträger. Aber auch andere Sehnen können betroffen sein.
Typische Ursachen für Sehnenschäden beim Pferd:
- Überlastung: Zu intensives Training, vor allem auf hartem oder unebenem Boden, kann die Sehnen stark beanspruchen.
- Fehlstellung oder schlechte Hufbearbeitung: Ungleichmäßige Belastung durch falsche Hufstellung oder ungeeignete Hufeisen kann langfristig zu Sehnenverletzungen führen.
- Traumatische Verletzungen: Tritte durch andere Pferde, Stolpern oder Stürze können Sehnenschäden verursachen.
- Altersbedingte Degeneration: Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der Sehnen ab, wodurch sie anfälliger für Verletzungen werden.
Symptome eines Sehnenschadens beim Pferd erkennen
Ein Sehnenschaden beim Pferd kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein - von einer leichten Überlastung bis hin zum vollständigen Sehnenriss. Oft sind die Anzeichen anfangs subtil, so dass du als Pferdebesitzer besonders aufmerksam sein musst. Je früher die Symptome erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen.
Typische Anzeichen eines Sehnenschadens:
1. Lahmheit - von leicht bis stark
Lahmheit ist eines der häufigsten Symptome eines Sehnenrisses. Sie kann je nach Schweregrad variieren:
- Bei einem leichten Sehnenschaden kann die Lahmheit kaum sichtbar sein und nur bei bestimmten Bewegungen auftreten, z. B. beim Traben oder in engen Wendungen.
- Bei einer schweren Sehnenverletzung wird das Pferd deutliche Schmerzen zeigen, das betroffene Bein entlasten und unter Umständen gar nicht mehr auftreten wollen.
Besonders bei Sehnenschäden, die sich schleichend entwickeln (z.B. durch Überlastung), kann die Lahmheit zunächst nur phasenweise auftreten und nach Ruhepausen vorübergehend wieder verschwinden.
2. Schwellung und Wärme an der betroffenen Sehne
Ein Sehnenschaden führt häufig zu einer Entzündungsreaktion im betroffenen Bereich. Dies kann zu einer sichtbaren Schwellung und Verdickung der Sehne führen. Besonders betroffen sind die tiefen und oberflächlichen Beugesehnen sowie der Fesselträger.
Außerdem fühlt sich die Stelle meist deutlich wärmer an als das umliegende Gewebe. Du kannst dies leicht überprüfen, indem du mit der Hand beide Beine deines Pferdes vergleichst - das gesunde und das betroffene.
3. Druckempfindlichkeit und Schmerzreaktion
Pferde mit einem Sehnenschaden reagieren oft empfindlich auf Druck. Wenn du die betroffene Sehne vorsichtig mit den Fingern abtastest, kann das Pferd eine Schmerzreaktion zeigen, indem es das Bein wegzieht oder unruhig wird.
Manche Pferde zeigen auch ein Zucken oder eine Anspannung der Muskeln, wenn man über die verletzte Sehne streicht.
4. Veränderung der Sehnenstruktur
Bei einem chronischen Sehnenschaden kann sich die Struktur der Sehne verändern.
Folgende Anzeichen sind zu beachten:
- Verdickung oder Knotenbildung entlang der Sehne
- Verhärtung oder Verformung im Bereich der Verletzung
- Einziehung oder Eindellung (bei schweren Verletzungen kann das Sehnengewebe einreißen oder schrumpfen)
- Diese Veränderungen lassen sich oft am besten im Vergleich zum gesunden Bein feststellen.
5. Veränderung des Gangbildes und Schonhaltung
Auch wenn keine deutliche Lahmheit sichtbar ist, können subtile Veränderungen des Gangbildes auf eine Sehnenverletzung hinweisen.
Achten Sie auf folgende Auffälligkeiten:
- Das Pferd tritt auf der verletzten Seite kürzer.
- Die Bewegung wirkt steifer oder unsicher.
- Das Pferd zeigt Unbehagen in engen Wendungen oder beim Rückwärtsrichten.
- Das Pferd setzt das betroffene Bein bewusst entlastend auf, indem es die Zehenspitze zuerst aufsetzt oder das Fesselgelenk weniger stark abknickt.
- Manche Pferde entwickeln auch in der Box oder auf dem Paddock eine Schonhaltung, indem sie das betroffene Bein häufiger entlasten oder im Stand leicht anwinkeln.
6. Mögliche Sekundärprobleme
Ein unbehandelter oder übersehener Sehnenschaden kann zu Folgeproblemen führen, da das Pferd unbewusst andere Strukturen des Bewegungsapparates stärker belastet. Typische Sekundärprobleme sind:
- Verspannungen der Muskulatur, insbesondere im Schulter- und Rückenbereich
- Überlastung der gegenüberliegenden Gliedmaße (dadurch erhöhtes Risiko für Sehnenschäden auf der anderen Seite)
- Gelenkprobleme durch ungleichmäßige Gewichtsverlagerung
Wann sollte ein Tierarzt gerufen werden?
Wenn du bei deinem Pferd eines oder mehrere dieser Symptome feststellst, solltest du nicht zögern, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen. Eine frühzeitige Diagnose - idealerweise mittels Ultraschall - ist entscheidend, um die bestmögliche Therapie einzuleiten und Langzeitschäden zu vermeiden.
Diagnostik: So wird ein Sehnenschaden erkannt
Der Tierarzt wird zunächst eine klinische Untersuchung durchführen und die betroffene Sehne auf Schwellung, Wärme und Schmerzempfindlichkeit abtasten. Für eine genaue Diagnose wird in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damit kann die Tiefe der Verletzung beurteilt und der Heilungsverlauf kontrolliert werden.
Weitere mögliche Diagnoseverfahren:
- Röntgen (zum Ausschluss von Knochenschäden)
- Thermografie (zeigt entzündliche Prozesse)
- MRT oder CT (bei sehr tiefen oder unklaren Sehnenschäden)
Behandlung eines Sehnenschadens - Was hilft wirklich?
Ein Sehnenschaden erfordert eine individuell abgestimmte Therapie, die je nach Schweregrad variiert. Hier die wichtigsten Behandlungsmethoden:
Akute Phase (erste Tage bis Wochen)
- Kühlung: Kühlende Gels, Wasseranwendungen oder Eispacks helfen, die Entzündung zu reduzieren.
- Ruhephase: Das Pferd sollte so wenig wie möglich bewegt werden. Oft wird Boxenruhe empfohlen.
- Entzündungshemmende Medikamente: In Absprache mit dem Tierarzt kann eine Behandlung mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern erfolgen.
Regenerationsphase (Wochen bis Monate)
- Angepasster Bewegungsplan: Nach der ersten Ruhephase ist langsame, kontrollierte Bewegung wichtig. Der Tierarzt oder Physiotherapeut erstellt einen individuellen Bewegungsplan.
- Therapeutische Maßnahmen: Dazu gehören Stoßwellentherapie, Lasertherapie oder Blutplasma-Injektionen.
- Bandagen oder Stützverbände: Sie können die Heilung unterstützen und die Sehne stabilisieren.
Heilungschancen und Prognose
Die Heilung eines Sehnenschadens kann Monate bis über ein Jahr dauern. In leichten Fällen kann das Pferd oft wieder voll belastet werden. Schwere Sehnenschäden führen jedoch manchmal dazu, dass das Pferd nicht mehr geritten werden kann. Im Extremfall kann sogar das Einschläfern notwendig werden, wenn das Pferd dauerhaft unter Schmerzen leidet.
Vorbeugung: Wie kann man Sehnenschäden vermeiden?
Vorbeugen ist besser als heilen! Mit diesen Maßnahmen kannst du das Risiko von Sehnenschäden deutlich reduzieren:
- Richtige Bewegung und Training
- Aufwärmen und Abkühlen sind wichtig für gesunde Sehnen.
- Abwechslungsreiches Training vermeidet einseitige Belastungen.
- Weicher, aber stabiler Untergrund schont die Sehnen.
- Regelmäßiger Koppelgang hält die Sehnen elastisch und kräftig.
Die richtige Ernährung kann die Regeneration der Sehnen gezielt unterstützen. Sehnen bestehen hauptsächlich aus Kollagen und Bindegewebe, daher sind bestimmte Nährstoffe besonders wichtig:
- Kollagen - unterstützt die Sehnenstruktur und Elastizität.
- Vitamin C - fördert die Kollagenbildung und wirkt entzündungshemmend.
- Omega-3-Fettsäuren - helfen bei der Regeneration und reduzieren Entzündungen
- Aminosäuren (v.a. Glycin, Prolin, Lysin) - sind Bausteine für gesundes Sehnengewebe.
- Zink und Mangan - notwendig für die Heilung und Regeneration des Bindegewebes.
Empfohlene Ergänzungsfuttermittel bei Sehnenschäden
- Kollagenhydrolysat oder Gelatine - Fördert den Aufbau von Sehnengewebe.
- Teufelskralle oder MSM - wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd.
- Hyaluronsäure - stützt das Bindegewebe und hält es geschmeidig.
- Leinöl oder Fischöl - liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren.
Fazit
Ein Sehnenschaden beim Pferd ist eine langwierige Angelegenheit, aber mit der richtigen Therapie und gezielter Unterstützung kann dein Pferd wieder gesund werden. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose, eine konsequente Behandlung und eine angepasste Fütterung. Vor allem Kollagen, Aminosäuren und entzündungshemmende Mittel können den Heilungsprozess positiv beeinflussen.
Tipp: Achte auf eine ausgewogene Bewegung, gute Hufpflege und ein sehnenschonendes Training - so kannst du Sehnenschäden am besten vorbeugen!
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