Huf Pferd

Huf Pferd

February 26, 2025

Aufbau, Anatomie, Erkrankungen und Pflege  

Der Huf ist für das Pferd das, was für uns Menschen die Füße sind - nur viel wichtiger. Er trägt das gesamte Gewicht des Pferdes, federt Stöße ab und sorgt für einen sicheren Stand. Ein gesunder Huf ist daher entscheidend für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit deines Pferdes. In diesem Ratgeber erfährst du alles Wichtige über den Pferdehuf - von Aufbau und Anatomie über häufige Erkrankungen bis hin zur richtigen Pflege und dem Einfluss von Futter und Ergänzungsfuttermitteln.  

Aufbau und Anatomie des Pferdehufs  

Der Pferdehuf ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Er besteht aus verschiedenen Strukturen, die perfekt aufeinander abgestimmt sind, um Funktionen wie Stoßdämpfung und Gewichtsverteilung zu erfüllen.  

Der Querschnitt des Hufes 

Betrachtet man den Huf eines Pferdes im Querschnitt, so erkennt man verschiedene Schichten und Bereiche:  

  • Hufwand: Schützt die inneren Strukturen und trägt den Großteil des Gewichts.  
  • Sohle: Bedeckt die Unterseite des Hufes und schützt das innere Hufbein.  
  • Strahl: Eine V-förmige Struktur, die zur Stoßdämpfung beiträgt und Griffigkeit gewährleistet.  
  • Hufbein: Der Knochen im Inneren des Hufes, der die Basis des Beines bildet.  
  • Huflederhaut: Versorgt die Hufwand, den Strahl und die Sohle mit Nährstoffen.  
  • Strahlbein: Unterstützt das Hufbein und beeinflusst die Beugebewegung.  
  • Sehnen und Bänder: sorgen für Stabilität und Beweglichkeit.  

Funktion der Hufstrukturen  

Jede Struktur des Hufes erfüllt eine wichtige Aufgabe. Die Hufwand schützt und trägt, der Strahl wirkt wie ein Stoßdämpfer und die Hufsohle schützt das Hufbein vor Druck und Verletzungen. Nur wenn alle Bestandteile gesund sind, kann der Huf seine volle Funktion erfüllen. 

Häufige Erkrankungen des Pferdehufes - Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein gesunder Huf ist die Grundlage für ein leistungsfähiges und zufriedenes Pferd. Leider sind Pferdehufe anfällig für verschiedene Erkrankungen, die unbehandelt zu ernsthaften Problemen führen können. Viele dieser Erkrankungen entstehen durch mangelhafte Hufpflege, falsche Haltung, ungeeignete Fütterung oder Überbelastung. Umso wichtiger ist es, die häufigsten Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und richtig zu behandeln. Dieser Abschnitt gibt einen detaillierten Überblick über die häufigsten Hufprobleme und wie sie vermieden oder im Ernstfall behandelt werden können.  

Strahlfäule - Wenn der Huf unangenehm riecht  

Strahlfäule ist eine der häufigsten Hufkrankheiten beim Pferd und entsteht meist durch eine Kombination aus mangelnder Hufhygiene und dauerhafter Feuchtigkeit. Vor allem in den nassen Herbst- und Wintermonaten oder bei schlechter Stallhygiene steigt das Risiko.  

Ursachen:  

  • Feuchte, verschmutzte Einstreu  
  • Schlammige Weiden ohne trockene Ausweichmöglichkeiten  
  • Unregelmäßige Hufpflege  
  • Zu enge Hufe oder Fehlstellungen, die Bakterienansammlungen begünstigen  

Symptome:

  • Übelriechender, fauliger Geruch aus dem Strahl  
  • Schwarze, schmierige und weiche Strahlsubstanz  
  • Vertiefte, schmerzhafte Furchen im Strahlbereich  
  • In schweren Fällen entzündungsbedingte Lahmheit  

Behandlung und Vorbeugung: 

  • Tägliches Auskratzen der Hufe, besonders nach dem Koppelgang  
  • Wechsel auf trockene, saubere Einstreu (z. B. Späne oder Leinenstroh)  
  • Abspülen und Trocknen der Hufe nach dem Reiten auf nassem Untergrund  
  • Verwendung spezieller Strahlpflegemittel (z. B. Strahldesinfektionslösungen)  
  • In hartnäckigen Fällen: Tierarzt oder Hufschmied zur Beurteilung hinzuziehen 

Hufriss - wenn die Hufwand bricht  

Ein Hufriss kann von einem kleinen oberflächlichen Riss bis hin zu tiefen Spalten reichen, die bis in das empfindliche Gewebe reichen. Risse entstehen häufig durch eine Kombination aus trockenen Hufen, mechanischer Belastung und schlechter Hornqualität.

Ursachen:  

  • Zu trockene Hufe (vor allem im Sommer)  
  • Mangelnde Hufpflege oder zu lange Abstände zwischen den Hufschmiedbesuchen  
  • Schlechte Hornqualität aufgrund von Nährstoffmangel  
  • Mechanische Einwirkungen (z.B. durch Steine oder Tritte)  
  • nicht optimal sitzende Hufeisen  

Symptome:  

  • feine bis tiefe Risse in der Hufwand  
  • bröckeliges, sich ablösendes Horn  
  • Schmerzen oder Lahmheit bei tiefen Rissen  
  • Entzündungen möglich, wenn Bakterien eindringen  

Behandlung und Vorbeugung:  

  • Regelmäßiger Besuch beim Hufschmied (alle 6-8 Wochen) zur Vorbeugung  
  • Risse frühzeitig vom Fachmann begutachten lassen  
  • Bei tiefen Rissen: Spezielle Klebetechniken oder Hufkappen verwenden  
  • Hornqualität verbessern durch ausgewogene Fütterung und evtl. Ergänzungsfutter (z.B. Biotin, Zink)  
  • Feuchtigkeit regulieren - weder zu nass noch zu trocken  

Hufrehe - eine ernste Gefahr für Pferde  

Hufrehe zählt zu den gefürchtetsten Hufkrankheiten und ist eine Entzündung der Huflederhaut. Dabei lösen sich die Verbindungen zwischen Hufbein und Hufwand, was in schweren Fällen dazu führen kann, dass sich das Hufbein verdreht oder absinkt. Dies verursacht starke Schmerzen und kann für das Pferd lebensbedrohlich sein.  

Ursachen:

  • Fütterungsbedingte Ursachen: Zu viel Zucker, Stärke oder frisches Gras (Fruktanüberschuss)  
  • Übergewicht und Bewegungsmangel  
  • Nachgeburtsverhalten bei Stuten  
  • Überbelastung (besonders nach plötzlichem Training ohne Gewöhnung)  
  • bestimmte Medikamente oder Vergiftungen  

Symptome:  

  • Steifes, schmerzhaftes Gangbild  
  • Entlastungshaltung (Pferd lehnt sich nach hinten, um die Vorderhufe zu entlasten)
  • Warme Hufe und starker Puls an der Fesselarterie  
  • Abwehrverhalten beim Hufauskratzen  
  • In späteren Stadien sichtbare Verformungen der Hufwand und -sohle  

Behandlung und Vorbeugung:  

  • Bei Verdacht sofort Tierarzt hinzuziehen!  
  • Pferd auf weichen Boden stellen, Bewegung stark einschränken  
  • Kühlende Angussverbände zur Schmerzlinderung (nach Absprache mit dem Tierarzt)  
  • Fütterung sofort anpassen - getreidefreie Diät und Heu mit niedrigem Zuckergehalt  
  • Langfristig: Gewichtskontrolle und langsames Anweiden im Frühjahr  
  • evtl. unterstützende Maßnahmen wie Thermografie zur Verlaufskontrolle einsetze

Hufgeschwüre - eine häufige Lahmheitsursache  

Ein Hufgeschwür entsteht, wenn Schmutz oder kleine Fremdkörper in den Huf eindringen und eine eitrige Entzündung verursachen. Auch Prellungen oder Verletzungen an der Hufsohle können dazu führen. Die Erkrankung ist schmerzhaft, aber bei rechtzeitiger Behandlung gut heilbar.  

Ursachen:  

  • Steine oder scharfe Gegenstände, die sich in die Sohle bohren  
  • mangelnde Hufpflege oder schmutzige Einstreu  
  • Verletzungen durch zu lange Hufnägel beim Beschlag  
  • Übermäßige Belastung auf hartem Untergrund  

Symptome:  

  • Plötzliche, starke Lahmheit (oft ohne vorherige Warnzeichen)  
  • Warmer Huf und erhöhter Puls  
  • Schmerzreaktion beim Abtasten oder bei Druck auf die Hufsohle  
  • Eiteraustritt wenn das Geschwür aufbricht  

Behandlung und Vorbeugung:  

  • Tierarzt oder Hufschmied diagnostiziert das Geschwür durch Abdrücken  
  • Öffnen des Geschwürs zur Druckentlastung  
  • Angussverbände und desinfizierende Lösungen fördern die Heilung  
  • Nach Abheilung Langsame Wiederbelastung auf weichem Untergrund  
  • Vorbeugen: Tägliche Kontrolle der Hufe, Steine sofort entfernen, saubere Umgebung sicherstellen  

Hornspalt - Wenn das Horn reißt  

Ein Hornspalt ist eine Vertiefung in der Hufwand, die vom Kronrand bis zur Sohle verlaufen kann. Ähnlich wie beim Hufriss sind Trockenheit, Überbelastung und schlechte Hornqualität häufige Auslöser.  

Ursachen:  

  • Verletzungen am Kronrand  
  • Trockene und spröde Hufe  
  • Mechanische Belastung (z.B. durch harten Boden oder falschen Hufbeschlag)  
  • Genetische Veranlagung zu brüchigem Horn  

Symptome:  

  • sichtbarer Spalt in der Hufwand  
  • Riss kann Schmutz und Bakterien einschließen, was Entzündungen begünstigt  
  • Schmerzen oder Lahmheit, wenn der Spalt tief ins Gewebe reicht  

Behandlung und Vorbeugung:  

  • Kleine Spalten regelmäßig säubern und pflegen  
  • Tiefe Spalten vom Hufschmied stabilisieren lassen (z.B. mit Kleber oder Spezialbeschlag)  
  • Hornqualität durch gute Fütterung und ggf. Zusatzfutter stärken  
  • Auf weichem Boden reiten, um die Belastung zu minimieren 

Wie kann die Thermografie bei Hufkrankheiten helfen?  

Die Thermografie ist ein modernes Diagnoseverfahren, bei dem Wärmebilder vom Pferdehuf aufgenommen werden. Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder versteckte Verletzungen können so frühzeitig erkannt werden.  

Vorteile der Thermografie:  

  • Schmerz- und stressfreie Untersuchung für das Pferd  
  • Früherkennung von Entzündungen oder ungewöhnlich warmen Strukturen  
  • Verlaufskontrolle bei Heilungsprozessen  

Fazit zu Huferkrankungen:  

Die Hufgesundheit ist entscheidend für das Wohlbefinden des Pferdes. Frühzeitiges Erkennen von Symptomen wie Rissen, Lahmheit oder unangenehmem Geruch kann viel Leid ersparen. Mit einer konsequenten Hufpflege, einer durchdachten Fütterung (inkl. geeignetem Ergänzungsfutter) und regelmäßigen Kontrollen durch Hufschmied und Tierarzt kannst du viele Erkrankungen vermeiden. Gerade bei Beschwerden gilt: Lieber einmal mehr hinschauen und Hilfe holen als zu lange warten. Dein Pferd wird es dir danken!  

Hufpflege - So bleibt der Huf gesund  

Eine regelmäßige und sorgfältige Hufpflege ist unerlässlich:  

  • Tägliches Auskratzen: Entfernt Schmutz und beugt Infektionen vor.  
  • Hufschmied besuche: Alle 6-8 Wochen ist ein Termin Pflicht, auch bei Barhufpferden. 
  • Angussverband bei Verletzungen: Fördert die Heilung bei Prellungen oder Abszessen. 
  • Pflegeprodukte: Huföle und -fette können helfen, die Feuchtigkeit zu regulieren - aber nicht übertreiben!  
  • Ein gesunder Huf ist leicht warm (nicht heiß) und frei von Rissen, unangenehmem Geruch oder auffälligen Verformungen.  

Ernährung, Futter und Ergänzungsfuttermittel für starke Hufe  

Was das Pferd frisst, beeinflusst auch die Hufqualität. Eine ausgewogene Ernährung liefert alle wichtigen Nährstoffe, um das Horn stabil und widerstandsfähig zu halten.  

Wichtige Nährstoffe für die Hufe:

  • Biotin: Fördert das Wachstum und die Qualität des Hufhorns.  
  • Zink und Kupfer: Wichtig für die Hornbildung und Heilungsprozesse.  
  • Aminosäuren: Essenziell für die Keratinbildung.  
  • Omega-3-Fettsäuren: Unterstützen die Durchblutung und das Hufwachstum.  

Wann ist Ergänzungsfutter sinnvoll?  

Nicht jedes Pferd benötigt automatisch ein Ergänzungsfutter. Wenn dein Pferd jedoch brüchige Hufe hat, unter einem Hufriss leidet oder das Horn nur langsam wächst, kann ein hochwertiges Hufpräparat helfen. Sprich vor der Fütterung immer mit deinem Tierarzt oder Fütterungsexperten.   

Tipps für gesunde Pferdehufe auf einen Blick  

  • Tägliche Kontrolle und Reinigung der Hufe  
  • Regelmäßige Termine beim Hufschmied  
  • Ausgewogene Fütterung mit hochwertigen Nährstoffen  
  • Gezielter Einsatz von Zusatzfutter, wenn nötig  
  • Schnelles Handeln bei Verletzungen oder Erkrankungen  

Fazit  

Der Huf des Pferdes ist ein komplexes Gebilde, das viel Aufmerksamkeit verdient. Mit dem richtigen Wissen über Aufbau, Anatomie, häufige Erkrankungen und die richtige Pflege kannst du deinem Pferd helfen, seine Hufe gesund und stark zu erhalten. Vergiss aber nicht, dass auch die beste Pflege nicht ausgleichen kann, was bei der Fütterung versäumt wurde. Achte auf eine ausgewogene Ernährung - bei Bedarf mit gezielten Ergänzungsfuttermitteln - und lass dich im Zweifelsfall immer von einem Experten beraten.  

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