Kolik Pferd

Kolik Pferd

January 20, 2025

Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung 

Die Kolik ist eine der häufigsten und gefürchtetsten Erkrankungen beim Pferd. Als Pferdebesitzer ist es wichtig, die Anzeichen einer Kolik beim Pferd frühzeitig zu erkennen und richtig zu handeln, denn im Ernstfall kann diese Erkrankung lebensbedrohlich werden. In diesem Ratgeber erfährst du alles über Ursachen, Symptome, Behandlung und vor allem, wie du Koliken bei deinem Pferd vorbeugen kannst - mit besonderem Fokus auf die Fütterung und den Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln. 

Was ist eine Kolik beim Pferd?  

Der Begriff Kolik bezeichnet in erster Linie Bauchschmerzen und ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Störungen im Magen-Darm-Trakt des Pferdes. Diese Störungen reichen von Gaskoliken über Verdauungsprobleme bis hin zu ernsthaften Komplikationen wie Darmverschluss oder Magenüberladung. Koliken können für das Pferd nicht nur schmerzhaft sein, sondern auch schnell tödlich enden, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden. 

Ursachen der Kolik beim Pferd  

Es gibt viele mögliche Ursachen für Koliken. Hier die häufigsten Gründe:  

Fütterungsfehler: 

  • Schlechtes oder verschimmeltes Raufutter.  
  • Zu viel Kraftfutter auf einmal.  
  • Zu wenig Raufutter oder unregelmäßige Fütterungszeiten.  
  • Fressen von ungeeignetem Material wie Stroh in großen Mengen.  

Wetterumschwung:  

  • Schnelle Temperaturschwankungen können die Verdauung des Pferdes beeinträchtigen. Vor allem bei einem plötzlichen Wechsel von warm auf kalt oder umgekehrt treten Koliken häufiger auf.  

Wassermangel:  

  • Wenn Pferde zu wenig trinken, kann dies zu Verstopfung führen.  

Stress und Bewegungsmangel:  

  • Stress durch Transport, ungewohnte Situationen oder falsche Haltungsbedingungen wirken sich negativ auf den Darm aus.  
  • Bewegungsmangel reduziert die Darmtätigkeit und kann Verstopfungen begünstigen.  

Sandaufnahme:  

  • Pferde, die auf sandigen Böden grasen oder Heu vom Boden fressen, können Sand aufnehmen, was zu einer sogenannten Sandkolik führen kann.  

Parasitenbefall:  

  • Ein Befall mit Darmparasiten wie z.B. Würmern kann den Verdauungstrakt stark belasten. 

Symptome einer Kolik beim Pferd  

Die Symptome einer Kolik können je nach Ursache und Schweregrad unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Typische Anzeichen, die du bei deinem Pferd beobachten kannst, sind  

  • Unruhe: Dein Pferd tritt nervös umher, hebt den Kopf oder schlägt mit dem Schweif.  
  • Hinlegen und Wälzen: Pferde mit Koliken legen sich häufig hin, wälzen sich oder liegen längere Zeit auf dem Boden.  
  • Scharren mit den Vorderhufen: Ein Zeichen von Unwohlsein.  
  • Appetitlosigkeit: Das Pferd frisst nicht, obwohl es hungrig ist.  
  • Keine oder verminderte Darmgeräusche: Der Bauch ist auffallend still oder die Geräusche sind minimal.  
  • Vermehrtes Flehmen: Einige Pferde zeigen bei Koliken Schmerzen durch Flehmen an. 
  • Schwitzen und erhöhte Pulsfrequenz: Diese Symptome treten bei stärkeren Schmerzen auf.  
  • Äppelt nicht mehr oder nur wenig: Ein deutliches Warnsignal ist, wenn das Pferd keinen oder nur sehr wenig Kot absetzt. 

Behandlung von Kolik: Was tun?  

Wenn Du den Verdacht hast, dass Dein Pferd eine Kolik hat, ist schnelles Handeln entscheidend. Hier sind die Schritte, die Du befolgen solltest:  

  • Tierarzt rufen: Rufe sofort den Tierarzt an und beschreibe die Symptome so genau wie möglich. Warte nicht zu lange!  
  • Halte das Pferd in Bewegung: Lass Dein Pferd am Halfter ruhig im Schritt laufen, um die Darmtätigkeit anzuregen. Wälzen ist nicht grundsätzlich gefährlich, aber es sollte keine Verletzungsgefahr bestehen.  
  • Nicht füttern: Gib Deinem Pferd kein Futter, bis der Tierarzt eine Diagnose gestellt hat. 
  • Wasser anbieten: Frisches, sauberes Wasser sollte immer zur Verfügung stehen, aber zwinge Dein Pferd nicht zum Trinken.  

Hausmittel (nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt):  

  • Einige Pferdebesitzer schwören auf Leinöl zur Unterstützung der Verdauung.  
  • Kräuter wie Crataegus (Weißdorn) können beruhigend wirken, sollten aber gezielt eingesetzt werden.  

Kolik-OP in schweren Fällen: Wenn die Kolik auf einen Darmverschluss oder andere schwere Ursachen zurückzuführen ist, hilft oft nur eine Operation. Solche Eingriffe sind kostenintensiv, aber oft die einzige Rettung.  

Kolik vorbeugen: Fütterung und Ergänzungsfuttermittel  

Die richtige Fütterung und ein gut durchdachtes Management sind entscheidend, um Koliken bei Deinem Pferd vorzubeugen. Da die Verdauung eines Pferdes empfindlich auf Veränderungen und Fehler reagiert, ist es Deine Aufgabe, für eine möglichst pferdegerechte und konstante Versorgung zu sorgen. Hier erfährst du im Detail, wie du die Fütterung optimieren kannst und welche Rolle Ergänzungsfuttermittel dabei spielen können.  

1. Raufutter ist die Grundlage für eine gesunde Verdauung  

Das wichtigste Grundnahrungsmittel für Pferde ist Raufutter wie Heu oder Heulage. Die Verdauung des Pferdes ist darauf ausgelegt, ständig kleine Mengen faserreicher Nahrung aufzunehmen. Ein Pferd sollte niemals längere Zeit ohne Futter bleiben, da dies die Produktion von Magensäure erhöht und die Darmtätigkeit reduziert. Dadurch steigt die Kolikgefahr erheblich.  

Worauf Du achten solltest:

  • Füttere deinem Pferd täglich mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht. Bei einem 600 kg schweren Pferd sind das mindestens 9 bis 12 kg Heu pro Tag.  
  • Achte auf die Qualität des Heus: Es sollte trocken, schimmelfrei und nicht staubig sein.  
  • Plane regelmäßige Fütterungszeiten ein, damit dein Pferd keine langen Fastenphasen hat.  

2. Regelmäßig und in kleinen Mengen Kraftfutter füttern

Kraftfutter ist für viele Pferde notwendig, kann aber bei falscher Fütterung schnell zu Problemen führen. Große Mengen Kraftfutter auf einmal belasten den Magen-Darm-Trakt, da der Magen eines Pferdes relativ klein ist. Zudem gelangt unverdautes Futter häufig in den Dickdarm, wo es zu Gärungsprozessen und Gasbildung kommen kann - eine häufige Ursache für Koliken.  

Tipps zur Kraftfutterfütterung:

  • Teile die Kraftfutterration in mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag auf.  
  • Füttere immer zuerst Heu vor dem Kraftfutter. Das Heu regt die Verdauung an und verhindert, dass das Kraftfutter zu schnell in den Magen-Darm-Trakt gelangt.  
  • Wähle Kraftfutter mit hohem Faseranteil und vermeide zu stärkehaltige Futtermittel (z. B. Mais oder Hafer in großen Mengen). 

3. Wasseraufnahme sicherstellen 

Ein ausreichender Wasserhaushalt ist entscheidend für eine gut funktionierende Verdauung. Pferde, die zu wenig trinken, haben ein höheres Risiko von Verstopfungskoliken, da der Darm das Wasser aus dem Futter zieht und der Kot im Darm hart und trocken wird. Besonders im Winter trinken viele Pferde weniger, was das Kolikrisiko erhöht.  

So kannst Du sicherstellen, dass Dein Pferd genug trinkt:  

  • Achte darauf, dass Dein Pferd jederzeit Zugang zu sauberem, frischem Wasser hat
  • Im Winter bevorzugen viele Pferde leicht erwärmtes Wasser, da sie kaltes Wasser meiden.  
  • Biete feuchtes Futter wie Mash an, um die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern.  
  • Wenn dein Pferd wenig trinkt, kannst du das Futter leicht anfeuchten, um die Wasseraufnahme zu erhöhen.  

4. Mash und andere verdauungsfördernde Futtermittel 

Mash ist ein Klassiker in der Pferdefütterung, wenn es darum geht, die Verdauung zu unterstützen. Es besteht häufig aus Leinsamen, Kleie und anderen verdauungsfördernden Zutaten. Mash ist leicht verdaulich, regt die Darmtätigkeit an und versorgt das Pferd zusätzlich mit Flüssigkeit.  

Mash richtig einsetzen:

  • Mash kann als Teil des wöchentlichen Futterplans oder nach Belastungen (z.B. Turniere, Stallwechsel) angeboten werden.  
  • Füttere es lauwarm, besonders in den kalten Monaten.  
  • Achte darauf, dass das Mash keine überflüssigen Zuckerzusätze enthält.  

Neben Mash gibt es noch andere Ergänzungsfuttermittel, die die Verdauung unterstützen können:  

  • Leinöl: Leinöl kann die Darmbewegung unterstützen und die Darmpassage verbessern. Ein bis zwei Esslöffel pro Tag reichen aus.  
  • Leinsamen: Gekochte oder geschrotete Leinsamen sind reich an Schleimstoffen, die die Darmwand schützen und die Verdauung fördern.  
  • Crataegus (Weißdorn): Weißdorn fördert die Durchblutung und kann bei stressbedingten Kolikanfällen beruhigend wirken. 
  • Flohsamenschalen: Diese sind besonders hilfreich bei Pferden, die auf sandigen Böden gehalten werden. Sie binden den Sand im Darm und helfen, Sandkoliken zu vermeiden. 

5. Bewegungsmangel vermeiden  

Die Bewegung des Pferdes ist ein wesentlicher Faktor für eine gesunde Verdauung. Die natürliche Darmtätigkeit wird durch die Bewegung der Bauchmuskulatur unterstützt, wodurch das Risiko von Verstopfung oder Gärungsprozessen verringert wird. Pferde, die sich wenig bewegen oder viel Zeit in der Box verbringen, sind anfälliger für Koliken.  

Das kannst Du tun:

  • Achte darauf, dass dein Pferd täglich ausreichend Bewegung bekommt, sei es auf der Weide, im Paddock oder beim Training.  
  • Pferde, die krankheitsbedingt in der Box bleiben müssen, sollten zumindest regelmäßig geführt werden, um die Verdauung anzuregen.  

6. Stress reduzieren  

Stress ist ein oft unterschätzter Faktor, der sich negativ auf die Darmgesundheit auswirken kann. Ein gestresstes Pferd hat oft eine verminderte Darmtätigkeit, was das Risiko von Koliken erhöht.  

Stressquellen minimieren:

  • Achte auf eine ruhige Umgebung im Stall, besonders bei sensiblen Pferden.  
  • Vermeide plötzliche Veränderungen bei Fütterung oder Haltung.  
  • Unterstütze gestresste Pferde bei Bedarf mit natürlichen Ergänzungsfuttermitteln wie Magnesium oder Kräutern.  

7. Parasitenmanagement nicht vergessen  

  • Darmparasiten wie Würmer können den Verdauungstrakt deines Pferdes stark belasten. Regelmäßige Entwurmungen und Kotuntersuchungen helfen, das Risiko parasitenbedingter Koliken zu minimieren.  

Wie hoch sind die Kosten bei einer Kolik?  

Die Kosten einer Kolikbehandlung können stark variieren:  

  • Tierarztbesuch und Medikamente: Je nach Aufwand zwischen 100 und 500 Euro
  • Kolik-OP: In einer Pferdeklinik können je nach Schwere des Falls und Dauer des Klinikaufenthalts Kosten von 3.000 bis 8.000 Euro entstehen.  

Fazit

Kolik beim Pferd ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die schnelles Handeln erfordert. Lerne die Symptome frühzeitig zu erkennen und sorge mit der richtigen Fütterung, ausreichend Bewegung und Stressvermeidung dafür, dass Koliken gar nicht erst entstehen. Ergänzungsfuttermittel wie Leinöl oder Mash können die Verdauung deines Pferdes unterstützen und eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung spielen. Bleibe immer wachsam - und im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu oft den Tierarzt rufen als zu spät! 

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